Archiv der Kategorie: Kambodscha

Pol Pot and the Killing Fields

In Phnom Penh stand heute nach Nachtbusanreise im Minibett das düsterste Kapitel Cambodianischer Geschichte an (und da gibt es einige) – die Terrorherrschaft des Despoten Pol Pot.

Kambodscha hatte schon vor Pol Pot und dem Bürgerkrieg schlimme Zeiten hinter sich. Siam, das heutige Thailand, und Vietnam lieferten sich einen Krieg auf kambodschanischem Gebiet was Frankreich dazu bewog, zu intervenieren und Kambodscha zu kolonialisieren. Zusammen mit Laos und Vietnam entstand Indochina. Im zweiten Weltkrieg marschierten die Japaner in Kambodscha ein und zwangen König Sihanouk die Unabhängigkeit auszurufen. Nach eine kurzen Ruhephase putschte das Militär den König aus dem Land und  Kambodscha wurde in den Vietnamkrieg hineingezogen, weil der Vietcong Kambodscha für Truppenbewegungen und den Transport von Militärgütern nutzte. Aus diesem Grund bombardierten die USA Kambodscha seit 1969. Obwohl der Militäreinsatz von Kriegsreportern und politischen Beobachtern als „Sideshow“ betrachtet wurde, starben ca. 500000 Menschen und über Kambodscha wurden angeblich mehr Bomben abgeworfen als über Vietnam. Nach dem Ende des Vietnamkrieges herrschten katastrophale Zustände im Land udnd die Menschen hatten kein Vertrauen in die Regierung.

In dieser desolaten Situation kehrte ein gewisser Pol Pot vom Studium in Frankreich zurück, wo er sich den Kommunisten angeschlossen hatte und wollte die Ideen Maos und seiner Kulturrevolution auf Kamboscha übertragen. Überzeugt vom Klassenkampf und vom Führungsanspruch der der Bauern und Arbeiter und der moralischen Verderbtheit der Städter und des Kapitals scharte er wie alle Diktatoren junge, ungebildete Männer und in diesem Fall einige „Linksintellektuelle“ um sich (die er dann später großenteils alle ermorden ließ) und rief das „Jahr Null“ aus, mit dem Ziel der Moderne und ihren Auswüchsen zu trotzen, das Kapital zu zerschlagen und eine reine kommunistische Gesellschaft zu schaffen, das sogenannte „alte Volk“. Auf in die Vergangenheit!

So marschierte er mit seinen Khmeer Rouge (Khmeer = dominiernder Volksstamm in Kamboscha, rouge = Kommunisten) in Phnom Penh ein und innerhalb von drei Tagen wurde die Stadtbevölkerung aufs Land in die Dörfer ihrer Vorfahren umgesiedelt und zu Zwangsarbeit (aka gemeinnütziger Landdienst fürs Volk) verurteilt. Schulen wurden abgeschafft, Polizei entmachtet, Religion verboten, Familien zerschlagen und absoluter Gehorsam gegenüber Regime und Ideologie eingefordert. Mit steigender Angst und Paranoia wurde dann jeder umgebracht, der der Revolution gefährlich werden konnte. Intellektuelle, Lehrer, Ärzte, Städter, Brillenträger, Menschen, Fremdsprachenkundige, ehemalige Verbündete. Das Denunziantentum feierte fröhliche Urständ, Geständnisse wurden mit üblen Foltermethoden erpresst und in 3 Jahren, 8 Monaten und 20 Tagen hatte das Rote Khmeer-Regime 3 Millionen Menschen ermordet. Da Kambodscha nur eine Bevölkerung von 8 Millionen hatte, nimmt Pol Pot im Diktatoren-Quartett bei der Tote/Bevölkerung locker Platz 1 vor Hitler, Stalin und Mao ein. Da die Grenze zu den Feinden Vietnam und Thailand vermint war und nur Diplomaten einreisen durften, bekam die Weltbevölkerung davon auch lange (angeblich) nichts mit.

In Phnom Penh gibt es zwei zentrale Orte der Aufarbeitung.

Zum einen das Tuol Sleng Genozid Museum, ehemals bekannt als S-21 Foltergefängnis. Hier starben zwischen 14000 und 20000 Menschen, nur sieben Überlebten. Hier wurden Geständnisse erfoltert. Im Vergleich zum Stasigefängnis in hohenschönhausen ist das – ohne den Opfern des DDR-Regimes zu nahe treten zu wollen – noch mal eine Nummer krasser und nähert sich eher einem Konzentrationslager, wenn auch in kleinerem Rahmen oder den Foltergefängnissen Ceaucescus. Anstelle weiterer Ausführungen ein paar Fotos:

Vor den Toren der Stadt gibt es eine weitere zentrale Gedenkstätte, eins der berüchtigten „Killing Fields“, von denen es in Gesamtkambodscha ca. 300 gab. Hier wurden die Menschen antransportiert,um systematisch ermordet zu werden, ich präzisiere mit Hämmern, Hacken und Stöcken erschlagen zu werden. Der Erdboden fördert in der Regenzeit noch immer Knochen und Kleidungsstäcke zu Tage. Am widerwärtigsten und abscheulichsten wohl der Baum, an dem Säuglinge zerschlagen wurden. Ohne Worte. Mit Bildern. Gegen das Vergessen.

Pol Pot starb übrigens, ohne, dass ihm je der Prozess gemacht wurde mit 82 Jahren. Selbst nach der Konterrevolution und der Aufdeckung der Gräueltaten wurden die Khmeer Rouge, zu diesem Zeitpunkt eine Untergrund-Guerilla-Gruppierung, aus geopolitischen Interesse und Völkerrechtsblabla u.a. von Deutschland, denBriten und den USA als die legitime Vertretung Kambodschas anerkannt und erhielten einen Sitz bei der UN. Achso.

So weit, so knapp, hoffentlich weitgehend historisch korrekt.

Siem Reap: Die Tempel von Angkor, schwimmende Dörfer und Köpper im Sonnenuntergang

Pflichtprogramm in Cambodia sind die Tempelanlagen von Angkor. Und weil das so ist, gehen auch alle da hin, und zwar genauso frueh morgens wie man selbst, denn jeder will ja den Sonnenaufgang ueber Angkor Wat sehen, weil das ja im Lonely Planet steht. Ist trotz dem Gedraenge / des Gedraenges sehr eindrucksvoll.

Viel eindrucksvoller als Angkor Wat fuer mich die Tempelanlage Angkor Thom mit Bayon, dem Tempel mit den vielen riesigen Gesichtern und Ta Phron, auch gerne als „Tomb Raider“-Tempel bezeichnet, weil Angelina Jolie hier mal bewaffnet und eng bekleidet als Comicrealfigur durchgehechtet ist. Das ist der Tempel, bei dem die Wurzeln der Baeume durch die Tempelbauten hervorragen. Das ist schon ziemlich großartig anzusehen, man muss allerdings ein bisschen gegen den Strom rumschleichen, um den Touristenmassen zu entkommen.

Unterwegs machen wir neue Freunde.

In manchem Reiseführer steht, man solle sich drei Tage Zeit nehmen, um die ca. 100 Tempel ausführlich zu begehen. Da Corinna, Callum und ich keine Archäologen sind, reichen die sehr beeindruckenden drei Hauptattraktionen mit dem TukTUk bereist und stattdessen machen wir eine Bootstour zu einem schwimmenden Dorf, bzw. einem Dorf, dass aus Pfahlbauten besteht, dass sich tatsächlich mitten im Wasser befindet und bei dem alle Wege mit dem Boot zurückgelegt werden müssen. Es ist richtig cool. Weil wir so nett sind – und weil wir dafür bezahlen – dürfen wir uns auch mal ein Haus von innen ansehen. Da könnte man schon mal ne Weile wohnen, das sind wir uns einig. Ist ganz bequem. Hier ein paar Eindrücke:

Zum Abschluss eines langen Tages geht es dann zum Sonnenuntergang gucken auf eine ca. 5 Meter hohe Holzplattform mitten im Wasser. Da das mit dem Sonnenuntergang noch dauert und weil es extrem schwül ist und weil wir auf 5 Meter mitten im Wasser sind, schlage ich einen Arschbomben und Hallikontest vor und nach ein bisschen zweifeln ist Callum auch dabei … und dann auch Corinna … und schließlich die Hälfte aller anwesenden Touris und Bootskapitäne. Heidenspaß. Angeblich sind die vorher noch nie auf die Idee gekommen. Kann ich echt nicht nachvollziehen, war doch so naheliegend. Den Sonnenuntergang haben wir leider verpasst 😉