Archiv der Kategorie: Vanuatu

Entscheidungen

manchmal wacht man morgens auf und weiss, dass man etwas verändern muss. meistens tut mans nicht, aber diesmal ist as gefühl sehr präsent: ich habe keine lust nochmal 8 tage auf dem schiff zu verbringen und nur geschaukel, offenes meer und seekrankheit zu erleben.

versteht mich hier nicht falsch. die 10 tage überfahrt von neuseeland waren ein überwältigendes neues erlebnis. und auch die crew ist top. und tauchen auf den salomonen ist sicherlich auch eingrossartiges erlebnis. aber nicht für mich und nicht gerade jetzt.

ich hab zwei pfenniggroße löcher im schienbein, die nicht zuheilen und eitern. mein lymphknoten schwillt langsam an, ich hab probleme mit dem magen und bin ständig müde. die infektion macht mich halt schlapp und motzig. später in sydney lass ochs vom doc checken und er gibt mir zwei antibiotika und jetzt, fast drei wochen später hat sich eidlich eine geschlossene kruste gebildet. aber dass ist zum entscheidungszeitpunkt alles zukunftsmusik.

es ist einfach das gefühl, dass ich runter will vom boot. am Abend vorher haben wir erfahren, dass honiara, die hauptstadt der salomonen von einer katastrophalen ueberschwemmung heimgesucht wurde und einiges im argen liegt.  der entscheidende punkt ist aber, dass ich einen toppreis für einen flug nach japan bekommen hab, von steffi aus dem Reisebüro meines vertrauens in trier. letztlich finde ich selbst später sogar noch etwas preiswerteres, aber mit ihrer email und ihrem preisangebot sorgt steffi für die entscheidung zu gehen.

neues ziel: über sydney nach kuala lumpur und mit robert auf die hochzeit von christiane, dann weiter nach tokio und mit volker und laura auf die hochzeit von mio, unserer ehemaligen mitbewohnerin aus japan. die fliegen alle extra fürs wochenende nach tokio und ich bin ja quasi um die ecke. dann mach ich das auch.

mein kapitaen ist nicht glücklich, aber alle respektieren die entscheidung. gute leute halt. machs gut, „sea venture“. gute reise.

ich überlege noch kurz, ob ich nach pentacoast, eine andere insel vanuatus fliege, um das land diving – den ursprung des bungee –  zu sehen. die anderen wollten das nicht sehen, so dass wir mit dem boot nicht rüber sind. aber letztlich sind die flüge dicht und so geht es nach australien.

rocket man

und dann winkt jemand am strand und wir fahren hin. gastfreundlich bietet er uns an, mit ihm lokale kraeuter zu rauchen. niemand will unhöflich sein. diebisch grinst er uns an, während er rollt und erzählt uns vom inselleben und zum abschied winkt er nochmal und wir paddeln zum boot und er weiss genau, was gleich passiert. und in dem moment, als wir am boot andocken, kommt der mann mit dem hammer und dann ist alles hd, 3d, kristallklar high definition. mein kreislauf ist weg und ich schwebe 10cm überm schiffsboden wie der dude über der bowlingbahn. haut hat eine ganz neue faszination, genau wie gerauesche. alle sinne sind geschärft und das wort bewusstseinserweiterung hat seine berechtigung. der zugang zum traumland und zum unterbewussten ist weit offen und die linie zwischen euphorie und schuldkomplex hauchdünn. der gedanken- und assoziationsstrom rast und kann nicht mehr in worte gepackt werden. die annas sitzen einfach nur neben mir und hören sich wohlwollend mein regressives gebrabbelt an. es ist überragend und erschreckend zugleich, denn ich hasse wenig mehr als den verlust der bewussten koerperbeherrschung. aber der einzige weg ist loslassen und ab. und dann schlafen. und dann nicht mehr sowas, bitte. lokale Sitten hin und her. viel zu krass, rocket man.

 

 

Dag and people like him

„… and I shambled after as I ve been doing all my life after people who interest me, because the only people for me are the mad ones, the ones who are mad to live, mad to talk, mad to be saved, desirous of everything at the same time, the ones who never yawn or say a commonplace thing, but burn, burn, burn like fabulous yellow roman candles exploding like spiders across the stars and in the middle you see the blue center light pop and everybody goes „Awww!““

jack kerouac – on the road

 

Wracktauchen auf Espiritu Santo

Nach dem Gejammer von unter der Woche dann das, warum ich, neben der offene See-Erfahrung, eigentlich auf dieses Boot gestiegen bin: Tauchen. Ist ja sonst oft recht teuer und hier haben wir Ausruestung und Kompressor an Bord, sodass bis zu vier Leute gleichzeitig tauchen gehen koennen. Luganville, die Hauptstadt von Espiritu Santo auf Vanuatu gibt auch nicht viel her. einige Laeden entlang der Strasse bilden das `Zentrum`. Wir haengen meist in der Bar in der Naehe unseres Ankerplatzes ab, denn da gibt es Internet in unglaublicher Geschwindigkeit – nur leider nicht im positiven Sinne -, einen gewoehnungsbeduerftigen Kicker (finde den Fehler im Bild) und einen alten Arcade mit `Space Invaders`, `Donkey Kong`, `1942`. Saugut, Invaders war eins von zwei Spielen, die wir damals auf dem ersten Familienrechner hatten, Kong hab ich noch vor dem Gameboy als Spiel aus Japan mitgebracht bekommen und 1942 hab ich bei Familienfeiern immer auf dem C64 meines Cousins gezockt. Willkommen in der Vergangenheit, haha.

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Grossartig ist auch, dass wir tatsaechlich unsere polnischen Bootnachbarn aus Tanna wiedertreffen: Kapitaen Voytek und die doppelte Anna. Als wir die drei das erste Mal gesehen haben – und das ist im Nachhinein ein bisschen peinlich – denken alle an Board das ist Sugardaddy mit seinen zwei Gespielinnen. Ok, ein 65-jaehriger segelt auf seiner Yacht mit zwei jungen, huebschen, polnischen Blondinen. Irgendwie liegt der Gedanke Nahe – kann sich ja jeder mal hinterfragen, was er /sie bei Blick aufs Foto gedacht hat – und doch sagts einiges ueber das eigenen Denken aus, dass man huebsch, blond und polisch direkt mal in die Kategorie halbprofessionel steckt. Armseeliges Altherren Wunschdenken von 20 und 30jaehrigen. Da gibts gute Lieder von Propagandhi und …but alive zum Thema. Nun denn, kaum quatschen wir Mal, wissen wir, dass die Maedels das selbe machen wie unsere halbe Crew: Mitfahrzentrale Boot. Voytek ist ein alter Haudegen, der vom Plattenleger bis zum Jetskyverleiher auf Fidji schon alles gemacht hat und jetzt seinen Segeltraum verwirklicht. Und die Annas haben ihre Jobs – Bibliothekarin und Programmiererin (sic!) – an den Nagel gehaengt und reisen seit ueber einem Jahr. Richtig lebensfrohe und positive Maedels. Good Times.

Doch zurueck zum Tauchen. Ich hab mal nen Probetauchgang auf Koh Tao/Thailand gemacht und dann den Padi Open Water Tauchschein in Malindi, Kenia. Macht zusammen age und schreibe 5 Tauchgaenge mit einer Maximaltiefe von 15,8 Metern (erlaubt sind mit meiner Qualifikation 18m). Das interessiert auf Vanuatu aber mal grade niemanden und von unserer Crew sowieso auch keinen, denn bis auf Guenn gibts hier keine erfahrenen Taucher und die Haelfte hat gar keinen Schein. Dafuer gibt es auf Vanuatu aber jede Menge Wracks und zweiten Weltkrieg Schrott. Am beruehmtesten ist das Wrack der USS Coolidge. Hierbei handelt es sich um einen Luxusliner, der im Pazifikkrieg von den Amis zum Truppentransporter umfunktioniert wurde und der dann auf zwei Minen auflief und heute eines der am leichtesten zugaenglichen Tauchwracks der Welt ist – allerdings in Tiefen von 21-60 Metern!

Folgt dem Link zu einem Ueberblick ueber Wrack und Historie:

http://www.aquamarinesanto.com/coolidge.html

Die Annas und Voytek, alles erfahrenen Taucher, haben einen guten Deal ausgehandelt und wir fahren mit eigenem Equipment und einem lokalen Fuehrer zum Wrack. Der erste Tauchgang fuehrt um das Wrack herum bis in eine Tiefe von 35-40 Meter. Ich fuehle mich gut und die anderen geben mir Sicherheit, ich bin aber froh, dass wir in Tanna noch einmal das Tauchgefuehl aufgefrischt haben. Das Wrack ist riesig und wir finden Gewehre und 20mm Kanonen und schiessen ein paar lustige Bilder.

Nach der Mittagspause wirds dann ernst. Von den vielen moeglichen Tauchgaengen entscheiden wir uns fuer den beruehmtesten: `The Lady`. Dabei handelt es sich um die Statue einer Lady mit Pferd im Inneren des Wracks auf ca. 40m. Tiefer zu gehen, macht auch nicht so viel Sinn, weil der Zusatz an Tiefe natuerlich auch die Tauchzeit beschneidet. Der Einstieg ins Wrack ist ein dunkler Abgrund, der einen verschluckt. Ich muss mich sehr konzentrieren und bleibe mit meiner Taschenlampe in der Naehe des Guides. Atmung ruhig halten und nicht zu viel auf- und ab floaten. Der Anblick der Statue am Ende des unterirdischen Raumes ist ueberwaeltigend. Nachdem Voytek uns mit der Lady gefilmt hat und ich den Hintern des Pferdes gekuesst habe – alter Brauch – gehts zurueck an die Oberflaeche des Wracks. Denke ich, und bin froh. Ist aber nicht so. Als ich grade durch das lichtdurchflutete Viereck aus dem Schiffsinneren auftauchen will, packt der Guide mich an der Flosse und deutet stattdessen auf ein winziges schwarzes Viereck, durch das wir in einen Seitengang gelangen koennen, um die Toiletten und das Bad zu sehen. Das ist der Moment in dem ich panicke. Neues Wort, aber so isses. Die Vorstellung, durch diese enge Oeffnung in diesen engen, dunklen Gang zu tauchen ist im wahrstn Wortsinn beENGstigend. Das Ding ist nur: Es hilft ja nix. Hier unten hilft dir grade keiner und wenn du austickst, kann das sehr dumm enden. Also versuche ich mich aufs Atmen zu konzentrieren und haenge mich an den Lichtkegel des Fuehrers. Von den Toiletten seh ich gar nix, haha. Staendig denke ich, ich koennte irgendwo haengenbleiben und mir die Sauerstoffzufuhr kappen. Dann geht es. Ich bin trotzdem heilfroh, als wir das Wrack verlassen. Draussen ueberwiegt dann die Freude, es geschafft zu haben und ich kann mich bei den Sicherheitsstopps an den Fischen und Korallen erfreuen. Als wir die Oberflaeche durchbrechen bin ich euphorisch und danach dn ganzen Tag gestokt und seltsam apathisch und einfach nur gluecklich. Das schwebende Gefuehl des Tauchens traegt mich durch den Tag.

Weil die anderen mit unserem Boot zum Schnorcheln gefahren sind, werde ich aufs polnische Booteingeladen und es giobt eine ueberragende Fischsuppe und Bier. Es ist richtig gut die Taucherfahrung mit den Annas zu teilen und alle erzaehlen von ihren angsteinfloessendsten Taucherlebnissen. Und die sind definitiv krasser als meine. Die Annas haben mal ihre GoPro Kamera verloren und sind dann auf eigene Faust nochmal runtergetaucht und dabei ging ihnen der Sauerstoff aus. Kann Voytek natuerlich toppen. Er hat beim Speerfischen mal einen Fisch bis ueber die Grenzen des Sinnvollen verfolgt und musste zwei Tage in die Dekommpressionskammer. Aber trotzdem ueberwiegen die positiven Taucherlebnisse auf Malaysia, Fidji und sonstwo. Als der Kapitaen zu Bett geht, rocken wir zu dritt noch die Kneipe, den heute spielt eine Band, die allerdings ein Alleinunterhalter ist und die Popsongs der Achtziger und Neunziger ins Reaggaegewand kleidet. Grossartiger Abend. Uebelst angetrunken paddeln wir das Beiboot zum Schiff und legen noch drei Schnapsrunden nach. Am naechsten Morgen erwache ich … auf der Couch, mit einem Kuscheltier im Arm. Soviel zu Maennerfantasien, hahaha.

Am naechsten Tag gehen einige von meinem Boot zum Wrack tauchen. Dag, der gar keinen Tauchschein hat, hat am vorherigen Tag Jonas das Tauchen gezeigt und die beiden sind alleine gleich mal runter auf 30m. Beim ersten Tauchgang fuer Jonas! Wahnsinnige. Aber der Typ lernt auch echt schnell und sie halten sich an alle Regeln und haben den Tauchcomputer dabei. Alles gut.  Nicht alles gut bei der Planung, denn eigentlich wollten die Annas und ich nochmal mit und so wars verabredet, aber die gleichen Leute, mit denen wir das gestern besprochen hatten , wissen das nicht mehr und es ist nicht genug Platz auf dem Boot. Insellogik. Wir fahren dann selbststaendig zum Million Dollar Point, einem Platz, wo die Amis nach dem Krieg ihr gesamtes Material in Strandnaehe versenkt haben. So findet man Trupentransporter, einen Panzer, Colaflaschen und jede Menge Zeug. Riesenschrottplatz unter Wasser. Wir Schnorcheln ein bisschen rum und koennen in der Pause die Tauchguides ueberreden uns mitzunehmen.

Aber nach nem Trinkabend tauchen ist keine gute Idee. Schon beim Abstieg habe ich ein ungutes Gefuehl, also es dann aber an den Eingang zum Wrack geht, kommt da Gefuehl der Beklemmung zurueck. Also bin ich mal vernuenftig und entscheide mich abzubrechen, um den anderen ihren Tauchgang nicht zu verderben und weil es eine krasse Ueberwindung geworden waere. Ich tingele ein bisschen in der Korallen herum und waherend ich auf die anderen wart, fuehl ich mich ein bisschen wie ein Versager. Egopupes halt. War aber definitv die richtige Entscheidung, auch wenn die anderen lachend zurueckkommen und den Tauchgang abfeiern. Aber die Annas sind richtig cool und wir gehen stattdessen mit Jonas noch zum Million Dollar Point tauchen und machen spassige Fotos. Anna guided uns und es wird ein entspannter Tauchgang. Nach einer Minute fuehlt es sich gut und sicher an und wir sehen zwei kleine Wracks, den Panzer, ein Lenkrad und jede Menge Stuff und haben jede Menge Spass, weil die Maedels die Leichtigkeit des Tauchens und des Seins vermitteln.

 

United Diving Forces of Seaventure and Hooyu Mooyu. Whoop Whoop!

diving forces vanuatu

 

 

 

an tagen wie diesen

an tagen wie diesen …

wenn man nur noch kotzen koennte. nach einer woche an land zurueck auf dem boot wird mir schnell klar, dass ich keinen bock mehr auf langes segeln habe. bei allen kehrt die seekrankheit wieder ein und waehrend die einen kotzen, schlafen die anderen den ganzen tag. das ständige gewackel macht einen unglaublich mürbe und wenn man etwas kochen will oder abwaescht oder nur von einer seite zur anderen will, wird man permanent durchgeschuettelt oder verliert das gleichgewicht und knallt irgendwo dagegen. das gibt dann dumme schrammen, die im tropenklima auch kein bisschen heilen. dazu staendiges unwohlsein und muedigkeit und die durchgehende frage, warum man sich das eigentlich antut und nicht ein anderes transportmitel gewaehlt hat. und auch generell warum, das alles? und so liegt man den ganzen tag rum in seinem und anderer leute schweiss und wuenscht sich woanders hin und vom vielen rumgeliege tut einem der ruecken weh und das staendige gewackel nervt. NERVT! und waehrend ich das grade tippe und versuche mit slayer und at the gates meine wut und frustration zu bekaempfen, damit ich nichts kaputtschlage, klatscht von hinten eine welle ueber meinen sowieso schon flackernden computer. am arsch. noch 1o stunden bis luganville, wo ich dann das championsleague halbfinale nicht sehen kann morgens um 6 ortszeit. jetzt hilft nur noch „apocalypse now directors cut“. aber nicht mit 10 Prozent batterie. ozean ende.

 

Tanna

Nach 10 Tagen Ueberfahrt erreichen wir Tanna, die suedlichste Insel Vanuatus. Wir ankern in einer guenstigen Bucht namens Port Resolution. Zum Einreiseantrag muessen wir spaeter einmal quer ueber die Insel in die „Stadt“ Lenakel, die aus ca. 4 Geschaeften, einer Tankstelle, einer Bank und einem Internetcafe besteht, ungefaehr. Einen Geldautomaten gibts aber nicht, aber die nette Frau vom Ressort belastet, nachdem das halbe Dorf sie eine Stunde lang gesucht hat, die mitgefuehrten Kreditkarten fuer nur 10 Prozent Bearbeitungsgebuehr. Zum Glueck hab ich noch Euros zu wechseln. Hinfort ist die Notreserve von Mama, haha. Wir trinken alle zusammen ein Bier und essen was und dann trennen sich die Wege erstmal. Das Paerchen mit Zelt zum schwarzen Strand, Dag und Jonas zum weißen Strand in Dorfnaehe. Dirk, Guenn Elin und ich teilen uns erstmal das Boot, zwischendurch penn ich ein paar mal im Camp weiß. Jeder kann mal ein bisschen durchatmen. Nicht falsch verstehen, es gab keinen Stress, es ist nur jeder mal froh ein bisschen Platz und Ruhe zu haben.

Wir machen schnell Freunde bei den Einheimischen, die noch sehr traditionell leben, teils seltsame Braeuche pflegen und sich ueberwiegend selbst versorgen, aber groeßtenteils gutes Englisch und Franzoesisch – soweit ich das beurteilen kann – sprechen und denen auch Handy und Computer nicht fremd sind. Kaum haben wir angelegt, kommt auch schon der erste Zweibaum, angerudert und will, ja klar, uns begrueßen, aber auch den Akku fuers Handy aufladen. Strom ist hier sehr rar gesaet und gibts nur ueber den Generator.

Willi, ein Lehrer, begruesst freundlich, erzaehlt ein bisschen und auffaellig ist die sehr ruhige und gelassenen Art der indigenen Bevoelkerung, der niVan. Alle sprechen sehr leise und erklaeren und zeigen geduldig. Fuer den naechsten Tag werden wir zum „Nakamal“ eingeladen, dem allabendlichen Kavatrinken im Dorf. Wir lassen uns nicht lumpen und bringen ein paar Kavawurzeln vom Markt mit. Die reinigen wir alle zusammen saeuberlich und dann kauen wir darauf herum bis die faserige Wurzel ein matschiger Brei und der Mund taub ist. Dann spucken wir und die drei Dorfbewohner unserer Kavasession den Brei auf ein Bananenblatt und dann wird das appetitlich aussehende Gekaute von der Dorfjugend mit Wasser vermischt und durch ein Tuch ausgewrungen und in einer Kokosnussschale oder einem anderen Gefaeß gesammelt. Lecker Kavatrunk ist fertig. Mir als Aeltestem der Gaeste obliegt die Ehre den ersten Becher zu kotzen, aeh kosten. Und auf Ex bitte. Ich gebe mir keine Bloeße und stuerze das Gebraeu hinunter. Es schmeckt in etwa so, wie man es sich vorstellt. Dirk, Jonas und Dag ziehen ohne Gemurre nach und alle sind froh mit uns, denn jetzt koennen sie auch trinken. Der Wirkungsgrad ist nicht so stark, aber man spuert schon ein bisschen was. Der Kava auf Tanna soll der staerkste in der Suedsee sein. Kommt mir gerade recht. Noch ein Tasse, ach nein danke, ist schon ok. Nach dem Trinken kehrt Ruhe ein und es wird nur noch gefluestert. Zerstoert wird die Idylle jedoch vom permanenten Gerotze aller Dorfbewohner, die Kavareste aus den Tiefen ihres Schlundes zurueck ans Tageslicht befoerdern und ueberall hinspuken. Frauen sind bei der Prozedur nicht zugelassen und duerfen waehrend der Zeremonie nicht einmal den Kavaplatz betreten. Dafuer duerfen sie aber waehrenddessen zuhause das Essen zu bereiten. Das ist doch auch schon was. Und so gehen denn alle nach Hause und gucken, was das Weib gerichtet hat. Es gibt wohl auch einige Frauen im Dorf, die Kava trinken, welche einmal in der Hauptstadt Port Vila gelebt haben. Das wird geduldet, aber sie muessen sich einen anderen Platz suchen.

Am Tag zuvor hatten wir auf dem Rueckweg von Lenakel noch eine Begegnung der besonderen Art. Auf Tanna gibt es einen ueberaus aktiven Vulkan, den … Das Besondere an dem Vulkan ist, er ist der leichtest zugaengliche aktive Vulkan der Welt. Und so fahren wir mit dem Jeep ueber die weiten Aschefelder bis unmittelbar an den Kraterrand und gehen die letzten 150 befestigten Meter wahehrend unter uns die Erde grummelt und roehrt. Vom Rand blickt man in die riesige Caldera, in der heisse Lava blubbert und immer wieder speit der Vulkan kleine Fontaenen in den Nachthimmel, der fuerig rot erleuchtet wird. Ein gewaltiges und beunruhigendes Naturschauspiel. Zwischendurch beruhigt sich die Aktivitaet bis sich wieder genug Druck angestaut hat, und Die Erde rumpelt und rummst und eine neue Glutfontaene in die Hoehe schießt. Alle Besucher beobachten schweigend, beeindruckt, selig. Eine unwirklich und beunruhigende, aber ueberwaeltigende Erfahrung. Traum.

Wir bleiben eine Woche, leben mit den Einheimischen. Mit den Kids zocken wir Fussball und machen direkt mal ein Eckchen auf, damit da mal Struktur reinkommt. Zwei Ballkontakte, zwei in die Mitte, Beinis doppelt und nach zehn Ballkontakten aussenrum Liegestuetze fuer innen. Die Zwerge feiern als wir pumpen muessen. Lustig ist, dass einige Kinder blonde Haare haben. Die Farbe waechst aber mit dem Alter heraus.

 

Wieder auffaellig, der Umgang mit Kindern. Die muessen hier schon frueh anpacken, Koerbe flechten, Fruechte sammeln und so weiter. Dreijaehrige rennen halbnackt rum und oft sehen wir Kinder mit großen Kuechenmessern, unbeaufsichtigt. Aber die Zwerge koennen damit umgehen. Ich sehe ein Kleinkind, dass mit seinem Riesenmesser alleine eine Frucht oeffnet. Das Kind schlaegt das Masser rein, saegt herum, geht dann mit dem Messer in der Frucht zu einem Tuerrahmen und haut die Frucht dagegen, bis diese nachgibt und das Maedchen das Fruchtfleisch herausschabt und gluecklich ist. Sechsjaehrige klettern Baeume hoch, um Bananaenstauden oder andere Fruechte zu pfluecken. Die Kulturtechniken werden frueh weitergegeben.

Besonders mit Thomson freunden wir uns gut an und er laedt uns zum Essen ein. Aus dem im Dschungel versteckten Dorfgarten, der mit Machete und Brandrodung urbar gemacht wurde, bringen wir Cassava, Sueßkarteffeln, Bananen und andere Nahrungsmittel und es wird richtig lecker. Thomson erfuellt uns dann noch einen Wunsch und nimmt Dag, Andreas und mich mit zum naechtlichen Speer und Bogenfischen. In voelliger Dunkelheit stuerzen wir uns mit Schnorchel, Brille und Flossen ins Wabernde Meer ueber einem scharfkantigen Riff. Es gibt keine großen Anweisungen oder Belehrungen, einfach nachmachen, folgen und nicht verloren gehen. Thomsons Kumpel hat die Unterwassertaschenlampe, deren Schein die einzige Lichtquelle ist, dem wir folgen. Kreuzt ein Fisch das Licht, bannt er das Tier im Lichtkegel und Thomson taucht runter und spießt das Tier mit seiner selbstgebauten Speerschleuder. Diese besteht aus einem stabilen Holzstueck an dem in der Mitte ein Gummischlauch befestigt ist, den man spannen kann. Am freien Ende des Gummis ist eine Schlaufe, in die der Metallspieß eingespannt ist.Es ist auch egal wie bunt und schoen das Tier ist, zisch, aufgespiesst, augtaucht, dreimal mit dem Schnaorchel drauf. Das wars fuer Nemo. Die beiden sind ein eingespieltes Team und erzielen eine gute Quote. Dag erwischt mit seiner geliehenen Schleuder nichts. Es ist extrem schwierig unter Wasser die Balance auszupendeln, denn wir schnorcheln in einer Stroemung und ueber uns und um uns schlagen die Wellen aufs Riff. Thomson erzaehlt uns, dass sie nachts fischen, weil die Fische dann ueberrascht und schlaefrig und langsam sind. Tagsueber sei das Speerfischen trotz besserer Sicht viel schwieriger. Nach einer halben Stunde machen wir aus Kokosnuss und Palmwedeln ein Feuer, trocknen uns und grillen einen Fisch und eine Art Lobster. Der Rest der Fische wird verkauft. Ein einmaliges Erlebnis. Good times. Und der richtige Lobster wird dann morgens gleich ans Boot geliefert. Lobsterfruehstueck.

Ein Ereignis muss ich noch erzaehlen, dass die Gedankenwelt und Denkart der Menschen hier verdeutlicht. Wir gehen den Strandweg zum Dorf entlang und und einen Meter neben Dag knallt eine Kokosnuss aus ca 8 Neter Hoehe auf den Boden. Das haette Boese ausgehen koennen. Ein Mann sieht unsere Bestuerzung, hebt die Kokosnuss auf, kreist sie einmal ueber Dags Kopf und wirft sie dann gegen den Stamm der Kokospalme. Anschließend versichert er uns ohne einen Anflug von Ironie, dass wir jetzt sicher sind und nichts mehr geschehen kann – zumindest kokosnusstechnisch. Ich hole mir sofort ebenfalls den Versicherungsschutz ab und es wirkt. Wir werden von keiner Kokosnuss erschlagen. Quod erat demonstrandum!

Großartig sind auch die verschiedenen Cargokulte auf der Insel. Einer der groeßeren ist der John Frum-Kult. Es gibt verschiedene Versionen, wie er entstanden ist. Im Groben gab es wohl mal eine Geisterscheinung, dei den Menschen Wohlstand und Lebensmittel brachte. Als Jahre spaeter die Amerikaner im Pazifikkrieg hier stationiert waren, schenkte wohl ein Soldat der diesem Geist aehnich gesehen haben soll den Menschen wiederum viele Gueter und er hieß John – John from Amerika, also John Frum im Kauderwelschenglisch der EInheimischen, dass man hier auch Pidgeonenglisch nennt und geschirieben aussieht wie Lautschriftenglisch. Seitdem warten die John Frum Juenger auf dessen Rueckkehr und hissen einmal die Woche die amerikanische Flagge (zumindest einige) und singen die ganze Nacht, indem die verschiedenen Dorfgemeinden Traueme der Bewohner ueber John Frum vertonen und vortragen. Das gucken wir uns an, ist aber ein bisschen langatmig. Aber was die Leute so alles glauben. Das gibts ja bei uns nicht, dass da ein Erloeser kaeme und dann leben alle in himmlischen Zustaenden, nene.

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Am Tag der Abreise probieren wir noch unsere Tauchausruestungen aus. Klappt. Geil. Auf nach Espiritu Santo.

Auf Wiedersehen, seltsames Tanna!

And don´t mess with the local youth, bitch 😉

15 sw

 

Ueberfahrt von Neuseeland nach Vanuatu

Logbuch des Kapitaens Smutje/ Maat oder so.

11.04.2014, 3:30pm. Nachtschicht. 22 Grad suedliche Breite, 166 Grad oestliche Lange.

Wir sind jetzt den 7ten Tag auf offener See mitten im Suedpazifik. Um drei Uhr habe ich meine zweistuendige Nachwache begonnen. Um mich herum in alle Himmelsrichtungen nur Ozean und ueber mir das Sternenzelt. Dazu das Plaetschern der Wellen und der oestliche Seitenwind im Genua, unserem vordersten Segel.

Die Nachtwache besteht eigentlich nur darin ab und an nach vorne zu sehen, ob uns kein Schiff kreuzt mit dem wir kollidieren koennten oder ob ein Container von einem chinesischen Supertanker ins Wasser gefallen ist. Ansonsten die Geschwindigkeit pruefen und gucken, ob das Segel straff ist und wir Kurs halten oder korrigieren muessen, um schneller voran zu kommen bzw auf den Motor zurueckgreifen muessen. Wir wechseln im Zweistundenrythmus.

Vor einer Woche habe ich in Neuseeland meine Crew kennengelernt. Andreas, unser Kapitaen, der das Boot vor einiger Zeit gekauft hat, weil er die Welt umsegeln wollte und dachte, seine chronische Seekrankhiet wuerde sich schon legen – was sie nicht tat. Dazu sein Bruder Dag, der grade von einer anthropologischen Feldstudie in Uganda zu uns stoesst. Beide sind Norweger, 30 und 23. Meike ist Andreas Verlobte aus Freiburg. Die beiden haben sich in Venezuela beim Sprachkurs kennengelernt und wie es dann so geht sind sie durch die Karibik, den Panamakanal und dann die komplette Suedsee von Insel zu Insel gefahren. Meike ist zwischendurch nach Hause, um ihren Haushalt aufzuloesen und Das Boot wurde waehrend der Hurricansaison in Neuseeland geparkt und ausgebessert. Per Inserat auf „Hand gegen Koje“ und „Find a Crew“ finden sie Mitsegler, so wie mich und Guenn Elin aus Norwegen und Jonas und Dirk aus Deutschland. Und so segeln wir alle unter schwedischer Flagge.

Als ich in Opua, Neuseeland ankomme, ist das Schiff an Land und wir arbeiten an Ausbesserungen am Rumpf, flicken das Beiboot, kaufen Proviant etc.

Dann werden wir zu Wasser gelassen und los gehts, knapp 1200 nautische Meilen (mal 1,8 = Kilometer) nach Vanuatu, fuer das wir uns anstelle von Neukaledonien alserste Station entschieden haben. Ich fahr dann mit bis auf die Salomonen, fur die anderen gehts weiter ueber Papua Neu Guinea, Indonesien, Indien, die Malediven bis nach Madagaskar und dann wahrscheinlich ueber den Atlantik. Mit wechselnder Besatzung.

Von Pflastern und Pillen bis zur Teilnahmslosigkeit sediert verbringe ich die erste Nacht im Halbkoma, waehrend Guenn und Dirk sich die Seele aus dem Leib kotzen. Ab dann wirds besser. Ich hatte ja keine Ahnung, wie sehr ein Segelboot wackelt und schwankt, wenn es nicht so schwer ist, dass es großen Tiefgang hat und kein Catamaran ist. Elend. Die ersten beiden Tage kommen die Wellen von der Seite und das Boot schwankt permanent hin und her und neigt sich jeweils um ca. 25 Grad zur jeweiligen Seite. Aber wir haben ordentlich Wind und machen bis zu 7,5 Knoten, wenn wir alle drei Segel setzen.

Schlimmer ist es, wenn der Wind von vorne kommt. Dann hebt sich das Boot bis zu 2m und klatscht dann wieder auf die See. Zum Glueck haben wir kaum Gegenwind. Insgesamt kommen wir recht gut voran. Nur zwischendurch haben wir drei Tage mit absoluter Flaute – Stiller Ozean halt – und fahren mit Motorenkraft. Auch nachts. Und meine Koje ist direkt neben dem Motor.

Kochen bei Seegang ist eine Herausforderung, aber der Herd ist so befestigt, dass er mitschwingt. Auch hier wird durchgewechselt. Meike backt immer frisches Brot.

Die Sonnenuntergaenge sind spektakulaer und das Gefuehl der Freiheit ueberwaeltigend. Wenn man abends in der Koje liegt und sich ueberlegt, dass in alle Richtgungen ca. 500 km nur Wasser ist und es knirscht und platscht und roehrt, dann kann man allerdings auch Beklemmung verspueren.

Insgesamt brauchen wir 10 Tage. Zum Glueck haben wir eine entspannte und angenehme Truppe, aber die Zeit wird trotzdem lang. Wir ueberbruecken mit schlafen, lesen, Karten spielen und erzaehlen. Ich gucke dazu noch drei Staffeln „Breaking Bad“ und weiss jetzt wieder, warum alle es so abfeiern. Letzte Staffel dann zu Hause. Vorfreude.

Insgesamt sehe ich unterwegs 5 Schiffe in der Ferne, thats it.

Am geilsten sind unsere Badestopps. Mitten im Nirgendwo im Pazifischen Ozean. Ein Blick durch die Taucherbrille zeigt: nichts. Nur Ozean, kein Fisch. Deshalb misslingen alle Angelversuche auch. Surfen klappt auch nicht, man kann sich nur ein bisschen schleppen lassen. Dag wirft noch ne Flaschenpost ueber Bord, in der eine sich einen Zwerg an Bord wuenscht, der aufrauemt.

Die Schicht ist vorbei. Noch drei Tage. Und dann endlich: Vanuatu. Und so siehts aus: